Ska Keller

Ska Keller

Grußwort Ska Keller

 
Slammer/innen verarbeiten in ihren Texten gleichermaßen Persönliches wie gesellschaftspolitische Kontroversen. Sie erzählen von ihrer letzten Rasur und der neuen Serie auf Netflix genauso wie von politischen Entwicklungen. Von dem, was sie erleben, von gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sie sich als junge Menschen gegenüber sehen oder davon, wie sie als Anhänger ihrer Religion wahrgenommen werden. Slammer/innen veröffentlichen das Private und politisieren das Persönliche. Poetry Slams bieten dafür eine Plattform, die wenig institutionalisiert ist und kaum Bedingungen stellt.
Weil ich selbst früher eine solche Plattform gesucht und (wenn auch in anderer Form) gefunden habe, auf der ich sprechen konnte und gehört wurde, freut es mich besonders, anlässlich der deutschsprachigen Meisterschaften hier ein Grußwort hinterlassen zu dürfen.

Die Faszination des Slammens besteht in seiner Schlichtheit – ein Mensch, ein Text, 6 Minuten. Niemand versteckt sich hier hinter bunten Kostümen oder verschwindet vor einer ausdrucksstarken Kulisse – da steht nur man selbst mit seiner Geschichte. Trotzdem ist der oder die Slammer/in dem Publikum nicht ausgeliefert: Respekt ist eine der obersten Slamregeln, honoriert wird der Mut, das Innerste nach außen zu kehren. Politische Debatten sollten sich daran gerne öfter ein Beispiel nehmen.

Die Toleranz und Offenheit der Slammer/innen lässt ein agiles und sich ständig veränderndes Netzwerk entstehen. Es verbindet eine Gruppe junger Menschen, die über den Spaß am Spiel mit der Sprache zusammenfinden. Und wie auf dieser Meisterschaft zu sehen ist, kennt Sprache keine Grenzen. Die Teilnehmer*innen kommen nicht als Vertreter/in eines Nationalstaates, einer Religion oder einer Ideologie hierher, sondern als Slammer/innen. Weil wir miteinander slammen und Poesie machen und hören wollen.

Zughörigkeit entsteht hier nicht über den gleichen Geburtsort, sondern durch die Leidenschaft für Sprache, durch das Bedürfnis, etwas zu sagen und durch die Idee, dies nicht plump, sondern poetisch zu tun. Hier wird gelebt, was anderswo gepredigt wird: Identität ist nicht das, was in unserem Pass steht, und Integration findet nicht nur da statt, wo wir Integration draufschreiben. Ein Poetry Slam ist keine exklusive Elitenveranstaltung, an der man qua Geburtsrecht teilnehmen darf, sondern lebt von offenen Listen und offenen Bühnen! Dieses Modell ist ein Vorbild für unsere
Gesellschaft.

Ich wünsche den Organisator/innen und Teilnehmer/innen viel Erfolg, Spaß, sprachliche Höhenflüge und eine gelungene Veranstaltung!
 

Ska Keller
Stellvertretende Vorsitzende Die Grünen / EFA im Europäischen Parlament